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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein ‚Fall’, er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration.
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293 – Das Testament der Gräfin

Nr.: 293
Veröffentlichung: 2. Oktober 2018
Erscheinungsweise: wöchentlich
Seitanzahl: 100
Autor: Patricia Vandenberg
Artikel-Nr.: 9783740934682
Man kann wahrhaftig nicht sagen, daß es in Dr. Nordens Praxis mal eintönig zuging. Fast jeder Tag bescherte einen Fall, der alle Termine durcheinanderbrachte. Man war es gewohnt, und Dr. Daniel Norden hatte ja das Glück, zwei tüchtige Helferinnen zu haben, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen ließen. Freilich war Dorthe Harlings Privatleben auch sehr viel abwechslungsreicher geworden, seit ihre Tochter Jocelyn endlich nach langen Jahren der Trennung zu ihr gekommen war, aber die Anfangsschwierigkeiten waren durch Dorthes Toleranz und mütterliches Einfühlungsvermögen schnell beseitigt worden. Dann war auch bald ein Mann in Jocelyns Leben getreten, durch den frühere Trotzreaktionen schnell in Vergessenheit gerieten, um so mehr sich Jocelyn schuldig fühlte an dem schweren Unfall, der Harald von Winterstein nun schon drei Wochen ans Krankenbett fesselte. Er war von einem Motorrad überfahren worden, als er Jocelyn nachgelaufen war, um Mißverständnisse aufzuklären. Er war lange bewußtlos gewesen und erst seit ein paar Tagen einigermaßen ansprechbar. Jocelyn war immer bei ihm. Wenn er schlief, half sie in der Behnisch-Klinik den Krankenschwestern, die durch einige Grippeerkrankungen reduziert waren. Sie stellte sich auch erstaunlich geschickt an, und so war sie tatsächlich eine echte Hilfe für die Klinik geworden, besonders auch deshalb, weil sie sich überwiegend um Harald von Winterstein kümmerte, der ja für einige Wochen der schwerste Fall in der Behnisch-Klinik gewesen war. Es hatte auf des Messers Schneide gestanden, und auch die Angst, daß eine Querschnittlähmung bleiben könnte, hatte Jocelyn Tag und Nacht verfolgt. Sie war reif geworden in diesen Wochen, völlig verändert in ihrer ganzen Einstellung zum Leben und zu den Männern. Auch die Vergangenheit sah sie nun in einem ganz anderen Licht. Dorthe konnte sich jetzt keine liebevollere Tochter wünschen, und es war doch noch gar nicht so lange her, daß sie als schwierige Tochter angesehen wurde. An diesem Vormittag im November wurde Dr. Norden mal wieder zu einem Notfall gerufen, und dabei ging es in der Praxis auch turbulent zu. »Die Spritzen können Sie geben, Dorthe«, rief er seiner zuverlässigen Helferin zu.

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