
199 – Das andere Gesicht der Joana Burg
Wenn in München ein Ärztekongress tagte, raffte sich Dr. Norden auf, diesen zu besuchen. Wenigstens an dem Tag, an dem die interessantesten Vorträge zu erwarten waren.
Hin und wieder traf man auf solchen Kongressen altbekannte Kollegen, von denen man schon lange nichts mehr gehört hatte, und so war es auch diesmal.
Mit großem Hallo wurde Daniel Norden von dem Internisten Alfred Schäffler begrüßt. Daniel hätte ihn fast nicht erkannt, denn er war sehr gewichtig geworden und sein Haar schon schütter.
»Menschenskind, Daniel, wie machst du das bloß, schlank und schön zu bleiben«, scherzte Dr. Schäffler. »Du bist kein bisschen älter geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.«
»Lass mich mal überlegen«, sagte Daniel. »Ich denke, sechs Jahre älter bin ich schon.«
»Kann stimmen. Was macht Fee, wie geht es den Kindern? Immer noch glücklich?«
»Unverändert, das vierte Kind ist unterwegs, sonst wäre Fee mitgekommen. Und wenn du es genau wissen willst, sie ist noch schöner geworden, auch wenn sie zurzeit nicht schlank ist. Und wie geht es bei dir?«
»Beruflich gut, privat belämmert. Vor zwei Jahren hat Petra sich scheiden lassen, hat die Kinder zugesprochen bekommen und einen höheren Beamten geheiratet, weil der immer pünktlich nach Hause kommt. Ihr würde ich ja nicht nachtrauern, aber wegen der Kinder ist es mir arg, und so setze ich mehr und mehr Kummerspeck an. So ein Glück wie du hat ja nicht jeder.« Er unterbrach sich und seine Augen weiteten sich. »Aber guck mal, was der Burger für ein Massel hat. Da haut’s mich ja gleich um.«
Daniel Norden